plattenbauten und produkte

plattenbauarchitektur macht aggressiv. aggressiv und machtlos. doch die flucht von dort braucht geld. MM 440 €, 2 MM provision in bar, 2 MM kaution und vergebührung des mietvertrags. also heißt es bleiben.

heimatplakate hängen dort am häufigsten, wo niemand daheim sein will. zahnpastaweiß und blau wie waschmittelwerbung. gelegentlich durch ein kleines braunes bärtchen beschmutzt.

hässlichkeit der häuser: ohne vergleich, aber auch die schulen in dieser peripherie vulgo pampa werden in kein ranking aufgenommen. die reporter unserer schönen boulevardblätter und berichterstattung aus diesen gegenden? nein? na eben.

lehr- wie strafanstalten. von dort kommst du nur schwer weg auf eine htl oder hak. bleibst picken wie 1 kaugummi auf 1 sessel. pech gehabt! lesen und schreiben lernst du trotzdem, sogar ein bisschen rechnen. und geschichte nach jahreszahlen, 333 solltest du wissen, 1789 und 1939 auch.

(was wirklich war außer der zahl, findest du nur selbst heraus – oder auch nicht.)

von der wiege bis zur bahre, aber zuerst doch von der lehranstalt in die lehre, wenn du eine lehrstelle kriegst. es gibt schließlich zu wenige davon. und du kriegst von einem mann namens hans erklärt, es gäbe um so viele zu wenig, wie von „den ausländern“ besetzt sind. er sagt „besetzt“ als wär 1 lehrstelle 1 klo …

verschwiegene alternative: nicht menschen, sondern stunden rechnen! überstunden substrahieren, differenz ansehen. zweite alternative = version konsequent: notwendige arbeitsstunden zählen, menschen zählen (ohne kinder und alte und alle in ausbildung), arbeitsstunden durch menschen dividieren. was übrig bleibt, wird aufgeteilt.

das produkt von mensch + mensch + mensch + […] sagt unter dem strich nicht viel aus! die produktivität ist von bedeutung – was kann 1 mensch in 1 gewissen zeitspanne produzieren? mittlerweile mehr als früher. denk ans steinzeitmuseum und daran, wie deine großeltern gelebt haben.

aber an rechnungen kannst du dich nicht festhalten wie an musik – auf zum konzert! hurtig, marsch! blaue blume trifft auf leni riefenstahl meets heavy metal. und du triffst die andern, kahlgeschoren und bei guter laune. bierselig wird der abend werden. und nach dem 4. bier diskutierst du mit dem mann namens hans. er will dich gewinnen, er nimmt dich ernst, er sieht das besondere in dir…

dieser hans heißt johannes und lebt nicht in der platte. lebt in einer ruhigen kleinbürgeridylle, wie aus dem werbeprospekt geschnitten. früher hieß er mal johnny, rauchte joints und hatte auf seiner jacke einen roten stern und das warhol-image von che guevara (an dem ihn nur die kriegstagebücher interessierten).

im dreck kriechen für die sache! kein risiko zu groß – wie ein mann! ein held! man(n) kann dort für die sache sein, wo es opportun erscheint. wende. hals. es braucht für den wandel nur noch eine passable ausrede!

chronologie: als che für ihn passé war, steckten in richtig rechter reihenfolge an der jacke von johannes: österreichfahne, deutschlandfahne, hakenkreuz. hans macht keine halben sachen!

und in braunau am inn wird eine schülerin attackiert, in floridsdorf brennt ein wohnheim. hans und seine bande bekommen unterschlupf. treffen sich in den räumen eines befreundeten unternehmers. eine hand wäscht die andere. freunderlwirtschaft eben. und vielleicht braucht der unternehmer ja mal securities? sicherheit ist schließlich wichtig für das wohlbefinden – schutz des eigentums gibt’s gratis dazu. hollodero, da freut sich wer!

aber was, wenn nicht mehr rechtsrock auf dem programm steht und du dem heimatfilm ade gesagt hast?du trotzdem auch das alles-gut-gerede im alltag nicht brauchen kannst?

wenn z.b. in der schule etwas falsch läuft? du dich gegen eine schikane vom rektor beschweren willst? wenn alle lehrlinge haare kehren sollen? wenn du mit zwei andren beschließt, dass am arbeitsplatz dienst nach vorschrift (und kein bisschen mehr) angesagt ist?

macht es da nicht sinn, sich mit aygün und ali zusammenzutun?

(oder hat hans die passende antwort parat?)