may day at the place that caused a movement, 1.5.2014, roşia montană

wo sich fuchs und hase gute nacht sagen und cctvs überall sind: platz für die größte goldmine europas? 1600 tonnen gold, 300 tonnen silber, 215 mio. m³ kontaminiertes wasser / 900 wohnsitze: fast alle geräumt / umhergeistern zwischen leer stehenden häusern und trotzenden schildern:

„dieses eigentum ist nicht zu verkaufen“

zwei dekaden nach ceauşescu: ein gesetzesentwurf für zwangsenteignungen (abgelehnt, kurz vor der wahl) / drei einarmige banditen in der dorfkneipe, musikvideos auf dem bildschirm daneben / zwei männer trinken bier. die frau am nebentisch: alles sei schlecht hier und die fabriken sperren zu

„wenn es eine – zum beispiel – baumwollfabrik wäre statt einer giftigen mine“, sagt der polizist. aber keine arbeit sei auch keine lösung. ein transparent verkündet: „roşia montană bedeutet bergbau“, ein anderes: „wir kämpfen für unsere arbeitsplätze“ – planmäßig: betrieb für 16 jahre. die matrosin aus constanţa: „then there will be nothing left here“

zweifelhaftes versprechen: „effectively, the mine cleans up after itself as it goes along“

der alte bergarbeiter: „… so schöne maschinen!“ auf dem kopf die verschlissene gelbe kappe: als schwarzer aufdruck das logo der gold corporation. 27 jahre lang habe er unter tage gearbeitet. / history: hammer und meißel. knochenarbeit und grubenlampen. heute gibt es sprengstoff und cyanid

„to blow up four mountain peaks is not mining anymore“, der aktivist aus cluj. / drei menschen mit werkzeug in der hand gehen zur arbeit. vorbei am verfallenden arbeiterclub, wo niemand mehr schach spielt. / für den lebensunterhalt oder in notfällen: in den bus nach turda steigen und das familiensilber zur pfandleihe bringen / ausverkauf auf höheren ebenen: das gold im roten berg

was bliebe im land? 4% vom profit und das blaue vom himmel

 

arbeitslos am ersten mai, 1.5.2015, 1200 wien

vor zwei tagen der mann hinter mir in der schlange: „#X*!“ es klingt wie tourette-syndrom, nur zielgerichtet / ein leeres 16er-blech auf den stufen vorm eingang / eine zupft ihr kopftuch gerade ein anderer streift die falten aus dem hemd ein dritter hat die etikette schon abgelegt

ende des beschäftigungsverhältnisses: 30/04/15

gestern den ersten papierkrieg gewonnen und ihn ordentlich in einer flügelmappe verwahrt / als nächstes werden dokumente kopiert & mit motivationsschreiben versehen / zwei bewerbungen pro woche wären so der schnitt / aussichten zum besaufen, doch aufgrund von trunkenheit oder raufhandel bestünde kein anspruch auf arbeitslosengeld

in die ware arbeitskraft ist obsolenz eingebaut

schweres heben und bücken – hexenschuss und bandscheibenvorfall / überstunden im büro: computer-basierte krankheiten bereits vorprogrammiert. selbst arbeitskräfte im ruhezustand verfügen über eine fix montierte psyche (auswechseln auch mit spezialwerkzeug nicht möglich).

heute verschont mich mein mail-account von absagen aller art und bietet mir einen lesben fick im sekretariat lasse angaben zur bürotauglichkeit revue passieren (BETREUUNGSVEREINBARUNG / verbindlich […] darüber hinaus verfügen sie über ms office *englisch1* *italienisch2*, …)

hornbach hingegen wirbt auf dem umschlag der krone mit mindestlohn € 1600 -*

leserbrief von dr. siegfried pichl aus linz, ebenda, S.40: ein überproportionaler anstieg der beschäftigungslosigkeit bei zuwanderern trägt noch zur verschärfung der situation bei. will er damit sagen, dass „die ausländer“ „uns“ nun auch schon die arbeitslosigkeit wegnehmen?

ich bin gern bereit, die meinige zu teilen – lieber allerdings würde ich einer türkin oder einem kenianer 1/2 vollzeitstelle überlassen